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Neoklassische Theorie

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Neoklassische Theorie Artikel

Unter Neoklassik versteht man in den Wirtschaftswissenschaften eine Familie von Theorien, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Ausgang nahmen und die durch Adam Smith begründete Klassik (wichtigste Autoren neben Smith: David Ricardo, John Stuart Mill, Karl Marx) ablösten. Die Neoklassik dominierte das ökonomische Denken bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts, als der Keynesianismus für einige Jahrzehnte die führende Rolle übernahm.

Buch-Tipp: Die Evolution moderner ökonomischer Kategorien. Entstehung und Wandel zentraler Begriffe der neoklassischen ökonomischen Theorie. Mit Abb. (Volkswirtschaftliche Schriften; VWS 428) Eine Beschreibung zum Buch "Die Evolution moderner ökonomischer Kategorien. Entstehung und Wandel zentraler Begriffe der neoklassischen ökonomischen Theorie. Mit Abb. (Volkswirtschaftliche Schriften; VWS 428)" finden Sie auf der Seite des Buchhändlers. Um dorthin zu gelangen klicken Sie bitte auf den Link oberhalb von diesem Text....

Zentrale Thesen

Von der Klassik hob sich die Neoklassik unter anderem durch die verschobene Fragestellung ab:

  • die Neoklassik unterscheidet sich als reine Ökonomie von der politischen Okönomie und grenzt Fragen der Politik bewusst aus.
  • Paradigma der Klassik war die Produktion: Sie fragte nachdem Ursprung, dem Wachstum und der Verteilung des wirtschaftlichen Reichtums unter den gesellschaftlichen Klassen. Paradigma der Neoklassik ist der Tausch (Handel) zwischen rationalen Individuen: Sie fragt nach der optimalen Verteilung (Allokation) gegebener knapper Ressourcen auf verschiedene Verwendungen und Individuen mit festen Interessen und vorgegebener Ausstattung an Gütern und Fähigkeiten, jede Einkommensverteilung ist gerecht, weil ihr die zugrundeliegende Produktivität entspricht.
  • Die Verteilungstheorie folgt der Grenznutzentheorie und nicht der Arbeitswerttheorie .
  • Das Leitbild ist Logik und Mathematik und daher statisch bzw. vergleichend und nicht historisch.
  • der Markt ist stabil und Störungen und Krisen sind ca. exogen, der Markt findet danach wieder von sich aus in ein Gleichgewicht.

Die Entstehung der Neoklassik ist engstens mit der so genannten marginalistischen Revolution verbunden: zunächst die Übertragung der marginalen Analyse auf die Nachfrageentscheidungen von Haushalten. Die resultierende Grenznutzentheorie der Konsumnachfrage und des Wertes wurde ungefähr gleichzeitig und unabhängig voneinander um 1870 von William Stanley Jevons in England, Carl Menger in Österreich und Leon Walras in der Schweiz entwickelt. Damit wurde die klassische Wert- und Preistheorie (letztlich eine reine Produktionskostentheorie) durch eine subjektive Werttheorie abgelöst bzw. ergänzt.

Weiteres zentrales Element der Neoklassik ist die Gleichgewichtsanalyse. Ökonomische Analyse wird wesentlich als die Analyse von Märkten in dem Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage verstanden: Sei es (bei Walras) in dem Sinne eines instantanen allgemeinen Gleichgewichts auf allen Märkten (bestimmt durch die Lösung eines Systems von Gleichungen), oder sei es (bei Alfred Marshall) im Sinne von partiellen Gleichgewichten auf den jeweils betrachteten Märkten in verschiedenen Zeithorizonten (etwa sehr kurzfristig zur Bestimmung von Markpreisen, oder langfristig zur Bestimmung von normalen Preisen).

Zusammengenommen führt die Neoklassik mit Hilfe der Marginalanalyse alles wirtschaftliche Geschehen auf individuelle Optimierungsentscheidungen zurück: Unternehmen maximieren ihren Profit, woraus sich die Faktornachfragekurven und Güterangebotskurven ergeben. Haushalte maximieren ihren Nutzen, woraus sich die Faktorangebotskurven und Konsumgüternachfragekurven ergeben. Auf allen Märkten herrscht ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, wodurch bei geeigneten Annahmen auch die Preise aller Konsumgüter und Produktionsfaktoren bestimmt sind.

Eine Konsequenz aus dieser Kombination von individueller Optimierung und Gleichgewichtsdenken ist die Unmöglichkeit von Unterbeschäftigung, Arbeitslosigkeit und Überproduktion, solange kompetitive Märkte nicht durch staatliche Intervention oder andere Verzerrungen (z.B. von Gewerkschaften erzwungene überhöhte Löhne) in ihrer Funktion behindert werden. Die Neoklassik sieht damit das Saysche Gesetz immer erfüllt, das allgemeine (gesamtwirtschaftliche) und längerfristigere Ungleichgewichte ausschließt, da sich jedes (gesamtwirtschaftliche) Angebot auch seine Nachfrage schaffe. In dem Blick auf den Kapitalmarkt setzt dies voraus, dass über den Zins als Preis des Kapitals auch Sparen und Investition sich in dem Gleichgewicht befinden.

In der Neoklassik gibt es eine scharfe Trennung zwischen dem realen Sektor einer Wirtschaft, im die relativen Preise aller Güter und Produktionsfaktoren, die Produktionsmengen der verschiedenen Konsumgüter und die Verteilung (Allokation) der Produktionsfaktoren auf die Produktion verschiedener Güter bestimmt wird, und dem monetären Sektor, im letztlich ca. die Geldpreise bestimmt werden, und von dem keine (längerfristigen) Wirkungen auf den realen Sektor ausgehen. Diese realwirtschaftliche "Neutralität" des Geldes findet ihre theoretische Erklärung in der Quantitätstheorie des Geldes.

Mit der Weltwirtschaftskrise geriet die Neoklassik in eine Glaubwürdigkeitskrise, da sie weder eine zufriedenstellende Erklärung für eine so schwerwiegende Krise zu geben schien, in der die Selbstheilungskräfte des Marktes offensichtlich versagten, noch auch erfolgversprechende wirtschaftspolitische Empfehlungen nahelegte. Diese Lücken füllten zunächst John Maynard Keynes mit seiner Allgemeinen Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes und der darauf aufbauende Keynesianismus, die sowohl eine systematische Erklärung der Möglichkeit von längerfristigen Unterbeschäftigungsgleichgewichten als auch Hinweise auf wirtschaftspolitische Wege aus solchen Krisen versprachen.

Dies bedeutete jedoch keineswegs ein Ende der Neoklassik: Zu dem einen überlebte neoklassisches Denken in der Mikroökonomie, die man in ihrem Kern als die formal stets vollkommenere Entwicklung und Ausweitung auf neue Fragestellungen der Grundintuitionen der Neoklassik verstehen kann, zu dem anderen erlebte neoklassisches Denken eine Renaissance auch in der Makroökonomie nach dem in der Folge der siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts der Keynesianismus seinerseits in eine Glaubwürdigkeitskrise geriet.

Buch-Tipp: Die klassische und neoklassische Theorie der Genossenschaften. Ein Beitrag zur Dogmengeschichte und zur neueren Genossenschaftstheorie. (Volkswirtschaftliche Schriften; VWS 241) Das Buch "Die klassische und neoklassische Theorie der Genossenschaften. Ein Beitrag zur Dogmengeschichte und zur neueren Genossenschaftstheorie. (Volkswirtschaftliche Schriften; VWS 241)" ist leider ohne Beschreibung. Klicken Sie auf den Link über diesem Text um zu der Seite des Buchhändlers zu gelangen. Beim Klicken ö ffnet...

Kritik

Ging Adam Smith noch von einem sozialen Menschenbild aus, so wurde in der Neoklassik der Homo oeconomicus zu dem Leitbild. Auch die rein formale Vorgehensweise der Neoklassik führte zu einer Entfernung der Volkswirtschaftslehre von Bürger und Politik, die sie nicht mehr verstehen konnten. Streng angewendet würde die Neoklassik häufig zu Marktversagen führen. Erst Ökonomen wie Joan Robinson und Edward Chamberlain entwarfen mit dem Modell der unvollständigen Konkurrenz ein realistischeres Bild der Realität.

Siehe auch: Vilfredo Pareto, Neoliberalismus, Joan Robinson

==Literatur==* Felderer, B; Homburg, St. 2003: Makroökonomik und neue Makroökonomik, Berlin Heidelberg

  • Kromphardt, J. 1982: Wirtschaftswissenschaft II: Methoden und Theoriebildung in der Volkswirtschaftslehre, HdWW, Bd. 9, S. 904-936
  • Schumpeter, J. A. 1954: History of Economic Analysis, London
Buch-Tipp: Geschichte der deutschen Volkswirtschaftslehre: Geschichte der deutschen Volkswirtschaftslehre, 2 Bde. Kt, Bd.2, Vom Historismus bis zur Neoklassik: Bd. 2. Eine Beschreibung zum Buch "Geschichte der deutschen Volkswirtschaftslehre: Geschichte der deutschen Volkswirtschaftslehre, 2 Bde. Kt, Bd. 2, Vom Historismus bis zur Neoklassik: Bd. 2. " finden Sie auf der Seite des Buchhändlers. Um dorthin zu gelangen klicken Sie bitte auf den Link oberhalb von diesem Text. Sie werden automatisch...

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